Zwischen zwei Welten

Ich lebe zwischen zwei Welten.

Die eine riecht nach Gerichtsakten, Gesetzen, Schriftstücken und sorgfältig gewählten Worten. In dieser Welt suche ich nach Antworten auf Fragen zu Rechten, Pflichten, Vergleichen und den Regeln, die unser Leben bestimmen.

Die andere, meine ganz eigene Welt, für die ich atme und lebe, entstand mit der Geburt meiner Tochter. An diesem Tag wurde auch ich neu geboren. Seitdem ist mein Leben von ihren Interessen, Märchen, Sport, Musik und natürlich von Rhythmus und Tanz geprägt.

Meine Tochter träumt von Bühnen im Scheinwerferlicht und vom Applaus, der einer perfekt ausgeführten Choreografie folgt. Und so wurde ihr Traum auch zu meinem Traum.

Zwischen Reit-, Golf- und Tanztraining denke ich über Wettkampfkleider nach und suche nach dem einen perfekten Kleid – elegant genug, um die Blicke auf sich zu ziehen, und gleichzeitig bequem genug, um jede Bewegung, jede Drehung und jeden Schritt mitzumachen. Ich weiß, dass Details den Unterschied machen und die kleinen Dinge das Leben ausmachen.

Zu Hause erwarten mich die ganz gewöhnlichen Dinge des Alltags. Wie man einen Raum schön gestaltet, wie man einer Pflanze zum Blühen verhilft, wie man die Gesundheit der Familie bewahrt, welches Medikament bei Allergien besser hilft und was Beschwerden auf natürliche Weise lindern kann. Ich suche stets nach Lösungen und habe fast immer einen Plan B.

Meine Neugier kennt keine Grenzen. An einem Tag recherchiere ich mexikanische Nachnamen, am nächsten deutsche Universitäten und am dritten Möglichkeiten, von zu Hause aus zu arbeiten. Die Welt ist mir nicht fern. Sie ist ein Buch, das ich von der ersten bis zur letzten Seite lesen möchte.

Manchmal verbringe ich Stunden auf der Suche nach dem perfekten Satz. Nach dem berühmten i-Tüpfelchen. Nicht nach dem Satz, der am schönsten klingt, sondern nach dem, der Wahrheit in sich trägt. Ich glaube, dass jede Familie, jede Erinnerung und jedes Leben es verdient haben, zwischen Buchdeckeln bewahrt zu werden.

Vielleicht möchte ich gerade deshalb schreiben. Um die kleinen Dinge vor dem Vergessen zu bewahren. Denn das Leben besteht nicht aus den großen Ereignissen, sondern aus den kleinen Momenten, die wir oft erst vermissen, wenn sie längst vergangen sind.

Und so gehe ich meinen Weg weiter – ein wenig Juristin, ein wenig Träumerin, ein wenig Entdeckerin, ein wenig jemand, der nie aufhört, Fragen zu stellen, vor allem aber eine Mutter, die hinter jeder Antwort eine neue Frage und hinter jeder Frage eine neue Geschichte entdeckt.

Denn die schönsten Reisen sind nicht die, die wir in Kilometern messen, sondern die, die wir gemeinsam mit den Menschen zurücklegen, die wir lieben.

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