Ich bin in einer kleinen Stadt im ehemaligen Jugoslawien aufgewachsen. Dort besuchte ich die Schule und verbrachte den größten Teil meiner Kindheit bei meiner Großmutter. Meine Mutter und mein Vater arbeiteten in Deutschland, und jede Ferienzeit sowie jeden freien Moment verbrachte ich bei ihnen.
Eigentlich hatte ich zwei Zuhause. Damals glaubten viele Menschen, dass sie eines Tages in ihre Heimat zurückkehren würden und dass es für ein Kind besser sei, seine gewohnte Umgebung nicht zu wechseln. Und ich war glücklich.
Meine Großmutter erzählte mir ständig von meiner Mutter und meinem Vater. Dank ihr hatte ich das Gefühl, dass sie immer bei mir waren. Bis heute erinnere ich mich daran, wie sie zu mir sagte:
„Heute Nacht ist deine Mutter mit dem Flugzeug gekommen, hat dich zugedeckt, während du geschlafen hast, und ist anschließend wieder zur Arbeit zurückgeflogen.“
Sie liebte meine Mutter so sehr, dass viele Menschen glaubten, sie sei ihre Tochter und nicht ihre Schwiegertochter.
Die Zeit verging, und dann kamen die neunziger Jahre. Eines Tages holte mein Vater meine Großmutter und mich ab. Noch am selben Tag machten wir uns auf den Weg nach Deutschland. Aus unserem Haus nahmen wir fast nichts mit – nur unseren Papagei in einer Kiste.
Der Krieg begann.
Alle glaubten, dass ich in Deutschland bleiben würde, doch ich hatte andere Pläne. Ich sah, dass sich meine Großmutter dort nicht wohlfühlte, und ich hatte das Gefühl, ihr viel mehr zu verdanken, als ich ihr jemals zurückgeben könnte.
Ein Jahr verging. Ich entschied mich, nach Novi Sad zu ziehen, meine Großmutter mitzunehmen und ein Studium zu beginnen. So begann mein neues Abenteuer. Ein neues Leben.
Auch danach nutzte ich jede freie Minute, um nach Deutschland zu fahren. Schritt für Schritt baute ich mir mein eigenes Zuhause auf und fand in einer kleinen Stadt in Baden-Württemberg meine Oase der Ruhe.
Und so ist es bis heute geblieben.
Ich liebe zwei Städte gleichermaßen und betrachte beide als meine Heimat. Die eine ist Novi Sad – die Stadt, in der ich zu einer Frau herangewachsen bin. Die andere ist Heidenheim – die Stadt, die mich gelehrt hat, dass ein Zuhause nicht nur der Ort ist, an dem man lebt, sondern auch der Ort, an den man immer wieder gerne zurückkehrt.
Deshalb freue ich mich bis heute gleichermaßen auf jede Abreise und auf jede Rückkehr.
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